Wer einen Altbau energetisch sanieren möchte, steht häufig vor einer besonderen Herausforderung: Die Fassade soll oder darf nicht verändert werden, gleichzeitig entsprechen die Außenwände energetisch nicht mehr heutigen Ansprüchen.
Gerade bei denkmalgeschützten Gebäuden, historischen Fassaden, Sichtmauerwerk oder Gebäuden mit erhaltenswerten Außenansichten bietet sich deshalb eine Innendämmung an.
Eine interessante Alternative zu klassischen Dämmplatten sind dabei mineralische Dämmputze. Sie können sich unmittelbar an unebene und historische Untergründe anpassen und ermöglichen einen fugenlosen Dämmaufbau.
Doch wie funktioniert eine Innendämmung mit Dämmputz? Welche Schichtstärken sind sinnvoll und worauf muss bei historischem Mauerwerk besonders geachtet werden?
Warum ist die Innendämmung im Altbau anspruchsvoll?
Historische Gebäude wurden in der Regel nicht nach heutigen bauphysikalischen und energetischen Anforderungen errichtet. Typische Außenwände bestehen beispielsweise aus:
- Vollziegelmauerwerk
- Naturstein oder Sandstein
- Bruchsteinmauerwerk
- Mischmauerwerk
- Fachwerk und Mauerwerkskombinationen
Hinzu kommen häufig große Wandstärken und sehr unebene Oberflächen.
Eine Innendämmung verändert außerdem das Temperatur- und Feuchteverhalten der Außenwand. Deshalb sollte nicht ausschließlich der erreichbare U-Wert betrachtet werden. Ebenso wichtig ist ein funktionierender Feuchtehaushalt der gesamten Konstruktion.
Insbesondere bei historischen Gebäuden haben sich daher diffusionsoffene und kapillaraktive Systeme etabliert.
Welche Vorteile hat Dämmputz bei einer Innendämmung?
Bei einem Dämmputz wird die Dämmschicht direkt auf den vorbereiteten mineralischen Untergrund aufgebracht.
Das bietet insbesondere bei Altbauten einige Vorteile.
1. Anpassung an unebene Wände
Historisches Mauerwerk ist selten vollkommen gerade. Naturstein-, Bruchstein- oder alte Ziegelwände können erhebliche Unebenheiten aufweisen.
Ein Dämmputz passt sich der vorhandenen Wandgeometrie an. Dadurch können auch Rundungen, Nischen und komplizierte Anschlussbereiche ausgeführt werden.
2. Fugenlose Dämmschicht
Im Gegensatz zu Dämmplatten entsteht eine weitgehend homogene und fugenlose Dämmschicht.
Das ist insbesondere bei komplexen Grundrissen und zahlreichen Anschlussdetails von Vorteil.
3. Keine Hohlräume hinter der Dämmung
Dämmputz wird direkt mit dem Untergrund verbunden. Bei fachgerechter Verarbeitung entstehen daher keine planmäßigen Hohlräume zwischen Bestandswand und Dämmung.
Gerade bei einer Innendämmung ist ein vollflächiger Kontakt zum Untergrund bauphysikalisch von Bedeutung.
4. Mineralischer und diffusionsoffener Aufbau
Mineralische Dämmputze können Feuchtigkeit aufnehmen, transportieren und wieder abgeben.
In Verbindung mit entsprechend geeigneten Oberputzen und Anstrichen lässt sich so ein diffusionsoffener Wandaufbau herstellen.
Welcher Dämmputz eignet sich für welche Anwendung?
Nicht jede Sanierung benötigt die gleiche Dämmleistung. Deshalb bietet Klimasan unterschiedliche mineralische Dämmputze an.
Klimasan W – der klassische Sanier- und Dämmputz
Klimasan W ist ein mineralischer Dämmputz auf Basis von Perlit und Luftkalk.
Wärmeleitfähigkeit λ: ca. 0,077 W/(m·K)
Er eignet sich insbesondere für Sanierungen, bei denen neben einer Verbesserung des Wärmeschutzes auch die feuchteregulierenden Eigenschaften eines mineralischen Putzsystems gefragt sind.
Typische Schichtstärken im Innenbereich liegen bei etwa 30 bis 60 mm.
Klimasan W+ – höhere Dämmleistung bei moderater Schichtstärke
Klimasan W+ kombiniert ebenfalls Perlit mit Luftkalk, erreicht jedoch eine deutlich niedrigere Wärmeleitfähigkeit.
Wärmeleitfähigkeit λ: ca. 0,055 W/(m·K)
Dadurch kann bereits mit vergleichsweise geringen Schichtstärken eine deutliche Verbesserung des Wärmeschutzes erreicht werden.
Klimasan W+ bietet sich beispielsweise an, wenn ein klassischer mineralischer Dämmputz gewünscht wird, gleichzeitig aber nur begrenzt Platz für die Innendämmung zur Verfügung steht.
Klimasan IN – Hochleistungsdämmputz für die Innendämmung
Wenn möglichst viel Dämmwirkung bei geringer Aufbauhöhe erreicht werden soll, kommt Klimasan IN zum Einsatz.
Wärmeleitfähigkeit λ: 0,038 W/(m·K)
Der mineralische Hochleistungsdämmputz arbeitet mit nanoporösen Leichtzuschlägen und erreicht dadurch eine sehr hohe Dämmleistung.
Ein weiterer Vorteil ist die hohe Ergiebigkeit:
Ein 50-Liter-Sack reicht bei 50 mm Schichtstärke für etwa 1 m² Wandfläche.
Damit eignet sich Klimasan IN insbesondere für Gebäude, bei denen Wohnfläche erhalten und gleichzeitig eine hohe Dämmwirkung erreicht werden soll.
Klimasan AE – Aerogel-Dämmputz für besonders hohe Anforderungen
Noch höhere Dämmleistungen können mit Klimasan AE erreicht werden.
Wärmeleitfähigkeit λ: ca. 0,027–0,028 W/(m·K)
Der Aerogel-Dämmputz kommt insbesondere dann infrage, wenn extrem wenig Platz zur Verfügung steht oder besonders hohe Anforderungen an die Dämmwirkung gestellt werden.
Aufgrund des eingesetzten Aerogels liegt das Material allerdings preislich deutlich über konventionellen Dämmputzen.
Wie ist eine Innendämmung mit Dämmputz aufgebaut?
Der genaue Systemaufbau muss immer auf das vorhandene Mauerwerk und dessen Zustand abgestimmt werden.
Ein typischer Aufbau kann beispielsweise folgendermaßen aussehen:
1. Untergrund vorbereiten
Lose Bestandteile, nicht tragfähige Altputze, Beschichtungen und andere haftungsmindernde Schichten werden entfernt. Der Untergrund muss tragfähig und für den vorgesehenen Aufbau geeignet sein.
2. Untergrundvorbereitung bzw. Vorspritz
Abhängig von Untergrund und Dämmputz wird eine geeignete Untergrundvorbereitung ausgeführt.
3. Dämmputz auftragen
Der Dämmputz wird in der vorgesehenen Schichtstärke aufgebracht. Größere Gesamtdicken werden in mehreren Arbeitsgängen ausgeführt.
4. Armierungslage herstellen
Nach ausreichender Standzeit des Dämmputzes wird eine Armierungslage, beispielsweise mit Klimasan AMI und einem geeigneten Glasfasergewebe, hergestellt.
5. Mineralischen Oberputz aufbringen
Den Abschluss bildet ein geeigneter mineralischer Oberputz, beispielsweise Klimasan Fein.
Auch die abschließende Beschichtung sollte auf das diffusionsoffene System abgestimmt werden.
Welche Schichtstärke ist bei einer Innendämmung sinnvoll?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.
Entscheidend sind unter anderem:
- vorhandenes Mauerwerk
- Wandstärke
- Wärmeleitfähigkeit des Bestandsmauerwerks
- gewünschter Wärmeschutz
- verfügbare Raumfläche
- Feuchtebelastung
- Anschlussdetails an Decken, Innenwände und Fenster
Gerade bei einer Sanierung gilt deshalb: Nicht automatisch möglichst dick dämmen, sondern den gesamten Wandaufbau betrachten.
Bereits wenige Zentimeter eines leistungsfähigen Dämmputzes können die Oberflächentemperatur einer Außenwand deutlich erhöhen und den Wärmeschutz erheblich verbessern.
Bei anspruchsvollen Konstruktionen empfiehlt sich zusätzlich eine bauphysikalische bzw. hygrothermische Betrachtung des Wandaufbaus.
Was kostet eine Innendämmung mit Dämmputz?
Die Kosten hängen stark vom eingesetzten Material und der erforderlichen Schichtstärke ab.
Dabei sollte nicht nur der Sackpreis betrachtet werden. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Material pro Quadratmeter für die gewünschte Dämmwirkung benötigt wird.
Ein Beispiel:
Bei Klimasan IN entspricht ein Sack mit 50 Litern ungefähr einer Fläche von 1 m² bei 50 mm Schichtstärke.
Für 100 mm Dämmputz werden dementsprechend etwa zwei Säcke pro Quadratmeter benötigt.
Bei weniger leistungsfähigen Dämmstoffen kann für die gleiche Dämmwirkung eine größere Schichtstärke notwendig sein. Deshalb lohnt es sich, Dämmputze anhand der gewünschten Dämmwirkung und der daraus resultierenden Gesamtkosten zu vergleichen.
Neben dem Dämmputz müssen außerdem Untergrundvorbereitung, Armierungsmörtel, Gewebe, Oberputz und die Verarbeitung berücksichtigt werden.
Was muss bei Sandstein und Bruchstein beachtet werden?
Gerade bei Natursteinmauerwerk ist eine pauschale Aussage schwierig.
Sandstein und Bruchstein können je nach Herkunft, Aufbau und vorhandener Feuchte sehr unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Hinzu kommt, dass historische Wände häufig aus verschiedenen Materialien und Mörteln zusammengesetzt sind.
Vor einer Innendämmung sollte deshalb zunächst der Bestand untersucht werden.
Besonderes Augenmerk gilt:
- vorhandener Feuchtigkeit
- Schlagregenbelastung der Fassade
- aufsteigender Feuchtigkeit
- Salzbelastung
- Zustand des Fugenmörtels
- vorhandenen Altputzen und Beschichtungen
Eine Innendämmung sollte grundsätzlich nicht dazu verwendet werden, bestehende Feuchteursachen lediglich zu überdecken.
Kann eine Wandheizung mit Dämmputz kombiniert werden?
Ja. Gerade bei Altbausanierungen kann die Kombination aus Innendämmung und Wandheizung interessant sein.
Der Dämmputz reduziert den Wärmeverlust in Richtung Außenwand. Darauf kann anschließend ein geeignetes Wandheizungssystem mit entsprechend abgestimmtem mineralischem Putzaufbau ausgeführt werden.
Wichtig ist auch hier, dass die einzelnen Materialien und Schichten aufeinander abgestimmt werden.
Fazit: Dämmputz ist besonders für schwierige Altbaugeometrien interessant
Eine Innendämmung mit mineralischem Dämmputz bietet sich besonders dort an, wo klassische Dämmplatten aufgrund von unebenen Wänden, Natursteinmauerwerk oder komplizierten Anschlussdetails nur schwer eingesetzt werden können.
Durch unterschiedliche Wärmeleitfähigkeiten und Schichtstärken kann das System zudem individuell an das jeweilige Gebäude angepasst werden.
Von Klimasan W und W+ über den Hochleistungsdämmputz Klimasan IN bis zum Aerogel-Dämmputz Klimasan AE stehen dafür verschiedene Leistungsstufen zur Verfügung.
Entscheidend bleibt jedoch immer die Betrachtung des konkreten Bestands.
Sie planen die Innendämmung eines Altbaus und sind sich unsicher, welcher Dämmputz und welche Schichtstärke geeignet sind?
Gerne unterstützen wir Sie bei der Auswahl des passenden Systems und können den geplanten Wandaufbau auch bauphysikalisch betrachten.
Sprechen Sie uns einfach an.